Botox vermindert Schmerzintensität!

Schmerzen kennt praktisch ein jeder. Schmerzen sind – zumindest in der großen Mehrzahl der Fälle – auch sinnvoll, da uns Schmerzen vor Gefahren für unseren Körper warnen.
Dies gilt jedoch nicht für neuropathische Schmerzen. Bei diesem besonderen Schmerztyp hat sich der Schmerz verselbstständigt und hat keinerlei biologische Sinn.
In Deutschland leiden rund zweieinhalb Millionen Menschen an diesem chronischen Schmerztyp, der besonders häufig nach Nervenschädigungen, Amputationen, Gürtelrose (Herpes zoster) aber auch beispielsweise bei einem Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) auftritt.

Neuropathische Schmerzen entstehen durch Schädigung oder Erkrankung von Nervenbahnen, die Körperwahrnehmungen an das Gehirn weiterleiten. Die geschädigten Nerven entwickeln eine unerwünschte Eigenaktivität und senden dabei ständig elektrische Signale an das Gehirn, die dort als Schmerz wahrgenommen werden.

Die klassische Behandlung des neuropathischen Schmerz, ist meist eine Kombinationstherapie bei der meist ganz unterschiedlich wirkende Medikamente – zum Beispiel Antidepressiva, Gabapentin, Pregabalin oder Opioide – eingesetzt werden.
Allein die Nebenwirkungsrate eines jeden einzelnen Präparates ist beeindruckend lang und nicht wenige Patienten brechen aufgrund von schwer zu ertragenden Nebenwirkungen, die Therapie ab und versuchen den neuropathischen Schmerz zu ertragen.

Für diese Patienten wird die Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie vom 19. Mai 2016 von großem Interesse sein:

Hier wird über eine Studie berichtet, bei der insgesamt 152 Patienten beteiligt waren. 66 Patienten mit neuropathischen Schmerzen wurden mit Botulinumtoxin A behandelt.
Botulinumtoxin A – auch bekannt als Botox – ist vielen Menschen aus der kosmetischen Chirurgie zur Faltenbehandlung und ähnlichem bekannt.
Für das Nervengift Botulinumtoxin A sind seit den achtziger Jahren aber auch eine Vielzahl  medizinischer Anwendungen entdeckt worden.

So reichen die Anwendungen des Botulinumtoxin von der Behandlung spezieller Bewegungsstörungen (Schiefhals, Lidkrampf, Spastik) über die Behandlung bestimmter Formen der Migräne bis hin zu Behandlung einer vermehrten Schweißsekretion und zur Behandlung urologischer Störungen.
Die Patienten mit neuropathischen Schmerzen, schwerpunktmäßig an Unterarm, Hand und Fuß, erhielten im Abstand von 1,5 bis 2 cm je 5 Einheiten Botulinumtoxin A unter die Haut injiziert. Die Gesamtdosis hing von der Größe des schmerzhaften Areals ab, überstieg jedoch nicht 300 Einheiten. Nach zwölf Wochen wurde das das Vorgehen nochmals wiederholt.

Die 2. Injektionsserie verstärkte die therapeutische Wirkung. Besonders gut reagierten 3 Patienten mit einer besonderen Form des neuropathischen Schmerzes, einer Allodynie. Bei der Allodynie werden bereits leichte Berührungen als Schmerzen wahrgenommen.
Sehr gut auf die Injektionen mit Botulinumtoxin reagierten auch jene Patienten, deren Temperaturwahrnehmung nur wenig beeinträchtigt und deren Hautgefühl noch gut war. Bis auf die lokalen Beschwerden bei der Injektion, wurden in der Studie keine wesentlichen Nebenwirkungen verzeichnet.
Nach Auffassung der Autoren der Studie, stellt die Injektion mit Botulinumtoxin A eine therapeutische Alternative zur klassischen medikamentösen Therapie des neuropathischen Schmerzes dar.
Prof. Diener (Essen) – von der neurologischen Gesellschaft – weist allerdings darauf hin, dass die Therapie mit Botulinumtoxin zur Behandlung des neuropathischen Schmerzes, derzeit noch nicht zugelassen ist und nicht zu Lasten der gesetzlichen Krankenkassen verordnet werden kann. Nach Auffassung von Prof. Diener, sollte die Anwendung, auch nach einer eventuellen Zulassung, auf Spezialsprechstunden für Botox in großen neurologischen Kliniken beschränkt bleiben.